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Senioren in Belarus. «Unsichtbare Generation» versus «Goldenes Alter»

February 27, 2012 — main1ain
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Teilnehmerinnen der Universität „Goldenes Alter“ bei einer Besprechung - Lana Rudnik (Genehmigung zur Veröffentlichung liegt vor)

 

 

 

Die Senioren in Weißrussland (aktueller Name «Belarus») sind in den letzten Jahrzehnten vom Staat und von der Gesellschaft wenig berücksichtigt worden.

Aber auch hier gibt es erste Veränderungen.

So versucht eine kleine gesellschaftliche Initiative die schönen Seiten des Alters für belarussische Rentner neu zu entdecken und ihren Wissenshunger zu stillen. In Belarus geht man früher in Rente als in Deutschland: Frauen ab 55, Männer ab 60 Jahren. Sind Belarussen damit glücklicher? Leider kaum. Hier Rentner zu werden, bedeutet fast immer aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.

Wenn viele deutsche Senioren sich keine Reisen oder Restaurantbesuche mehr leisten können, geht es den meisten belarussischen «Babuschkas» einfach ums Überleben, da das Geld für Nahrung und Medikamente nicht immer reicht.

Außerdem gehört die Gruppe der Senioren in der Gesellschaft zu einer der schwächsten. Sie wird kaum in den Medien erwähnt, und wenn schon, dann manchmal sogar mit einer diskriminierenden Botschaft.

Außerdem gibt es kaum Vereine, die sich mit den Problemen der Senioren beschäftigen. Man wird nur sich selbst und der Familie überlassen.

Nichtsdestotrotz werden manche gesellschaftliche Aktivisten sich dieses Problems bewusst und versuchen, die Lage der Menschen im würdigen Alter zu ändern. Seit 2010 funktioniert z.B in Grodno, der Stadt an der Grenze zu Polen, die «Universität des goldenen Alters».

Lana Rudnik ist eine der Mitorganisatorinnen der Veranstaltungen für ältere Menschen. Sie erzählt:«Die Prinzipien unserer Arbeit sind Aktivität, positives Denken, Selbsthilfe, politische und religiöse Neutralität».

Nach ihren Angaben wurde die «Universität des goldenen Alters» im vorigen Jahr von 40 Studentinnen und Studenten besucht und in diesem Jahr sind es schon 70 Besuche.

«Unser Projekt ist für die aktiven Menschen gedacht, die keine Lust haben, nur zu Hause zu hocken. Wir machen zusammen Yoga, organisieren Ausflüge um die Geschichte unserer Stadt kennenzulernen.

Es gibt Teekränzchen, Kurse für Kunst, Handwerken, belarussische Sprache, Computer und auch Gartenbau. Regelmäßig werden interessante Trainer und Lehrer eingeladen, spannende Vorlesungen gehalten und Diskussionen geführt.

Es werden verschiedene Themen angesprochen: z.B. Psychologie, gesunde Ernährung, Intimleben, praxisorientierte Rechtswissenschaft usw.». — so Frau Rudnik.

Das gute Beispiel scheint «ansteckend» zu werden. Eine ähnliche Initiative ist vor kurzem auch in der belarussischen Stadt Brest entstanden. Außerdem sind vor wenigen Monaten mittlerweile in drei Gebieten von Belarus staatliche Tagesanstalten eröffnet worden, wo die älteren Personen ihre Zeit verbringen können.

Da geht es überwiegend darum, dass das Personal aufpasst, dass Mahlzeiten und Arzneimittel von den Betreuten rechtzeitig eingenommen werden. Gleichzeitig aber werden auch Unterhaltungs- und Ausbildungsmöglichkeiten angeboten.

Auch wenn diese Projekte den existierenden Bedarf noch bei Weitem nicht decken, man möchte trotzdem hoffen, dass es ein Zeichen dafür ist, dass die belarussische Gesellschaft langsam Senioreninteressen wahrnimmt.

Jeanna Krömer für «Spätlese»

 

http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/verwaltung/soziales/spl06.html

 

 

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