Kinderwunsch

August 13, 2018 — main1ain
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Anfangs hieß es von ihrer Seite, ich müsse mein Übergewicht und den hohen Blutdruck reduzieren, danach könne man über eine weitere Schwangerschaft sprechen. Nach zwei Jahren bin ich also vierzig Kilo leichter, der Blutdruck ist gesunken, andere Wehwehchen ebenfalls reduziert. Die Frau Doktor rät mir trotzdem weiterhin von einer Schwangerschaft ab, nennt jedes Mal einen neuen Grund. „Wir müssen Sie weiter beobachten“, lautet ihr Urteil nach einem nicht ganz optimalen Befund. „Ich rate Ihnen von einer Schwangerschaft definitiv ab.“ „Wäre es gefährlich für mich?“ „Nein.“ „Etwa für das zukünftige Kind?“ Wieder nein. Ich frage überrascht, warum mir dann trotzdem so kategorisch abgeraten wird. 

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Und da kommt es raus. Meine vorher stets distanzierte Frauenärztin hält plötzlich eine leidenschaftliche Rede: „Deutschland ist ein wunderschönes Land, Sie haben hier so viele Möglichkeiten bekommen. Sie müssen hier nicht unbedingt auch noch Kinder gebären!“ Das ist es also. Ich bin für Sie einfach eine Migrantin, die mit ihren Kindern Berlin zu überschwemmen droht und auf Kindergeld hofft, statt arbeiten zu gehen? 

Ich verstehe endlich. Meine Frau Doktor kennt mich nicht als Feministin, Journalistin, Universitätsabsolventin, politische Aktivistin. Das einzige, was sie von mir weiß: mit 19 Jahren das erste Kind, Zugezogene, Kinderwunsch. Und da treten wohl reflexartig die Vorurteile von der ungebildeten, unemanzipierten Migrantin auf. 

an.schläge 2013, Dezember 2012/Jänner 2013, Kolumnen, neuland